Immobilienwirtschaft erwartet für 2014 ein Umsatzplus

Die deutsche Immobilienwirtschaft blickt optimistisch in die Zukunft und erwartet für 2014 erwartet ein Umsatzplus von acht Prozent. Zudem kommt eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) zu dem Ergebnis, dass 67 Prozent der Branchenunternehmen die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung positiv sehen, 33 Prozent erwarten eine Seitwärtsbewegung. Kein Unternehmen geht von einer negativen Entwicklung in diesem Jahr aus.

Die Immobilienwirtschaft wolle zudem neue Mitarbeiter einstellen. So solle die Zahl der Arbeitnehmer um ein Prozent steigen. In der Immobilienwirtschaft arbeiten schon heute um die 2,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte – insgesamt sind es rund vier Millionen Erwerbstätige.

Mit einer Bruttowertschöpfung von 434 Milliarden Euro – dies entspricht einem Anteil von knapp 19 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland – ist die Immobilienwirtschaft einer der größten Wirtschaftszweige in Deutschland.

Der Fachkräfteengpass und das Image der Immobilienbranche

Mit „Gestalte unsere Zukunft – Mach Karriere mit Immobilien“ hat der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) eine Internetseite ins Netz gestellt, auf der sich Interessierte über die vielfältigen Berufsmöglichkeiten der Branche informieren können.

Unter dem Menüpunkt „Deine Chance“ werden eine ganze Reihe von Berufen vorgestellt, die mit der Branche zu tun haben. Dort werden die Aufgaben und das jeweilige Tätigkeitsfeld beschrieben und die dafür notwendigen Voraussetzungen kurz und schnell erfassbar aufgelistet.

Unter „Profis berichten“ beschreiben erfahrene Experten ihren Karriereweg und den Reiz, den die Branche auf sie ausübt. Und unter „Hier geht’s lang“ finden Interessierte Unternehmen entlang des Immobilien Lebenszyklus‘. Zielgruppe des Angebots ist ganz klar die Generation Y und Z.

Das Webportal als Ausgangsbasis nutzend, fragte ich bei Markus Amon an, ob er mir nicht einige Fragen zur Situation in der Branche beantworten kann. Markus Amon ist Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie und Mitglied im ZIA-Ausschuss Bildung und Forschung. Gerne sagte er zu – hier sind seine Antworten:

Markus Amon / Bild: IREB/Hans-Jürgen Heyer

Markus Amon / Bild: IREB/Hans-Jürgen Heyer

CHRISTOPH BERGER Herr Amon, hat die Immobilienwirtschaft einen Nachwuchs- beziehungsweise Fachkräfteengpass?
MARKUS AMON Ja, die Immobilienbranche hat einen Nachwuchs- und Fachkräfteengpass ebenso wie nahezu jede andere Branche in Deutschland auch. Allerdings wird das Problem durch das Image der Immobilienbranche verschärft. Andere Branchen werden von jungen Menschen immer noch als attraktiver wahrgenommen.

BERGER Ist das mit Zahlen belegbar?
AMON Belastbare Zahlen zu bekommen ist beinahe unmöglich, daher: Nein.

BERGER In welchen Sparten hat die Branche Probleme, Fachkräfte zu finden?
AMON Der Fachkräftemangel ist besonders ausgeprägt in den Bereichen, in denen technisches Know-how notwendig ist, wie zumBeispiel das technische Asset Management.

BERGER Und welche Qualifikationen werden für diese Bereiche benötigt?
AMON Hier werden technische Qualifikationen  – insbesondere von Bauingenieuren, Gebäudetechnikingenieuren sowie Wirtschaftsingenieuren – benötigt, die im Idealfall durch immobilienökonomisches Know-how ergänzt sind.

BERGER Wie ist es um das Image der Immobilienbranche bestellt?
AMON Leider immer noch schlecht. Solange in jedem dritten Tatort der Verdächtige Immobilienmakler oder Baulöwe ist, solange Sendungen wie „Mieten, kaufen, wohnen“ die Vorurteile gegenüber der Immobilienbranche bestätigen und solange keine anspruchsvollen Mindestqualifizierungsstandards geschaffen sind, wird die Immobilienbranche mit ihrem schlechten Image kämpfen müssen. Anlageskandale und Firmenpleiten tun ihr Übriges und tragen zum schiefen Bild der Branche bei.

BERGER Was unternehmen Sie, um dieses zu steigern?
AMON Der Ausschuss für Bildung und Forschung des ZIA hat es sich zur Aufgabe gemacht, zumindest gegenüber jungen Menschen, hier Aufklärungsarbeit zu betreiben. Wir informieren junge Menschen darüber, dass die Immobilienbranche eine der größten Branchen unserer Volkswirtschaft ist, dass die Immobilienbranche nicht nur ein Berufsbild bietet, sondern eine Vielzahl attraktiver und auch gut bezahlter Jobs bei seriösen Unternehmen.

BERGER Welche Anstrengungen unternehmen die Firmen, um sich für Einsteiger attraktiv zu machen – zum Beispiel auch im Hinblick auf die gewünschte Work-Life-Balance?
AMON Im Prinzip die gleichen wie alle anderen Unternehmen auch. Dazu zählen Programme zum Gesundheitsmanagement, Teilzeitarbeit,  Angebote zur Kinderbetreuung oder die Möglichkeit von Zuhause zu arbeiten.

BERGER Und welche Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten sich Einsteigern?
AMON Die Immobilienbranche bietet eine Fülle interessanter Karrierewege. Hier ist letztendlich für jeden etwas zu finden. Ob als international tätiger Immobilienbewerter oder als Immobilienverwalter in Süd-Oldenburg, ob als kreativer Projektentwickler in Dubai oder als Immobilienfinanzierer in Frankfurt. Die Frage ist nicht, was die Branche zu bieten hat, sondern welche Chancen zu ergreifen der Einsteiger bereit ist.

BERGER Sie haben die Internetseite „Gestalte unsere Zukunft“ ins Netz gestellt. Welche Informationen können Interessierte dort finden?
AMON Junge Menschen finden dort alle Informationen über die Immobilienbranche, um im ersten Blick beurteilen zu können, ob diese Branche für ihren weiteren Berufs- und Lebensweg interessant ist. Das Beste daran ist: Sie finden alle Informationen in ihrer Sprache, das heißt in einer Formulierung, die junge Menschen anspricht.

BERGER Ganz persönlich: Was macht für Sie die Arbeit in der Immobilienbranche so reizvoll?
AMON Eigentlich bin ich gar nicht in der Immobilienbranche. Ich bin Bildungsmanager, allerdings mit Fokus auf das Thema „Immobilie“. Die Immobilienbranche ist für mich deshalb reizvoll, weil ich so viele unterschiedliche Menschen und vor allem auch Typen kennenlerne und aus allen Gesprächen etwas für mich selbst mitnehmen kann.

BERGER Herr Amon, vielen Dank für das Gespräch!

Screenshot der Startseite von "Gestalte unsere Zukunft - Mach Karriere mit Immobilien"

Screenshot der Startseite von „Gestalte unsere Zukunft – Mach Karriere mit Immobilien“

Keine Immobilienblase in Deutschland

Die zuletzt gestiegenen Mieten und Kaufpreise für Wohnimmobilien in Ballungsgebieten seien keine Anzeichen für eine Spekulationsblase, sie seien vielmehr fundamental begründet. Zu diesem Ergebnis kommt das Frühjahrsgutachten des Rates der Immobilienweisen, das der Zentrale Immobilien Ausschusses (ZIA) letzte Woche an den Parlamentarischen Staatssekretär Florian Pronold (SPD) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) übergeben hat. Demnach gehen die Anstiege auf eine gestiegene Nachfrage zurück, sie beschränken sich auf bestimmte Regionen und bewegen sich innerhalb üblicher Grenzen.

Der Wirtschaftsweise Professor Lars P. Feld, der im Rahmen des Gutachtens die gesamtwirtschaftliche Entwicklung untersucht hat, sagt:“Die Ausweitung des Kreditvolumens für den Wohnungsbau ist bei längerfristiger Betrachtung moderat und eine Überhitzungsgefahr lässt sich aktuell kaum erkennen.“ Auch Feld Kollege, Professor Harald Simons, der die Wohnungsmärkte analysiert hat, fehlt die Basis für eine Immobilienblase: „Die inflationsbereinigten Angebotspreise liegen in Westdeutschland 4 Prozent und in Ostdeutschland 9,2 Prozent unter dem Preisniveau der Jahre 2005 und 2006.“ Auch das Verhältnis zwischen Hauspreisen und Einkommen bleibe weiter im Rahmen. Der Preis für eine mittlere 125 Quadratmeter große Eigentumswohnung mit gehobener Ausstattung hätte 2013 bei 7,75 Nettojahreseinkommen gelegen. 2005 waren es im Vergleich dazu 7,85 Jahreseinkommen.

Die Wissenschaftler kommen außerdem zu dem Schluss, dass es keine Auffälligkeiten im Verhältnis von mittlerem Kaufpreis und mittlerer Miete gibt. Bei einer typischen Blasenbildung würden die Kaufpreise den Mieten davonlaufen. Zusätzlich käme es zu einem breiten Anstieg der Baufertigstellungen, der zu einem Überangebot führe. In den Zentren der Großstädte sei es zwar zu einem leichten Anstieg der Bautätigkeit gekommen, absolut gesehen liege sie aber weiterhin auf einem so niedrigen Niveau, dass die Nachfrage bei weitem nicht gedeckt werden könne.

Ein weiteres Ergebnis: Die Mieten sind im Jahr 2013 in Deutschland um drei Prozent gestiegen und liegen damit weiterhin real unterhalb des Niveaus von 2005/06. Die Kaufpreise für Wohnungen und Einfamilienhäuser stiegen um 3,5 beziehungsweise 4,3 Prozent. Im deutschen Mittel seien die Kaufpreise und Mieten für Wohnungen damit vergleichsweise niedrig. Im Ausblick gehen die Gutachter davon aus, dass im laufenden Jahr die Mieten und Kaufpreise im bundesdeutschen Mittel voraussichtlich um drei Prozent nominal steigen.

Gute Perspektiven für Büromärkte
Das Jahr 2013 war für die deutschen Büroimmobilienmärkte durchweg positiv. Die Bürobeschäftigung, das Investmentvolumen, die Miet- und Kaufpreise, die Flächennachfrage und die Anzahl der Fertigstellungen legten im Vergleich zum Vorjahr zu und die Leerstände konnten reduziert werden.

Die langsame Erholung der Weltwirtschaft und die anhaltend positive Entwicklung der Binnenwirtschaft sorgten auf den Büromärkten für eine anziehende Konjunktur. Basis für die positive Entwicklung war ein weiterer Anstieg der Bürobeschäftigung um 0,76 Prozent. An den sieben wichtigsten Bürostandorten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Köln und Stuttgart war das Wachstum mit 1,54 Prozent besonders stark ausgeprägt. Für 2014 wird bundesweit eine weitere Zunahme um 0,86 Prozent erwartet. Die Prognose für die großen Agglomerationen liegt bei plus 1,61 Prozent. Sie profitieren weiterhin am stärksten vom Zuzug hoch qualifizierter Arbeitnehmer.

Einzelhandel bekommt Online-Handel zu spüren
Der Einfluss des Online-Handels auf den stationären Handel macht sich hingegen immer stärker bemerkbar. „Zum ersten Mal in der Geschichte wird der Umsatz des stationären Einzelhandels sichtbar Anteile an den Online-Handel verlieren“, prophezeit Manuel Jahn, Leiter Real Estate Consulting bei GfK. Das Frühjahrsgutachten geht von einem Rückgang des Einzelhandelsumsatzes in Verkaufsräumen um ein Prozent auf 408 Milliarden Euro aus. Dennoch bleibe der stationäre Handel die wichtigste Säule des Einzelhandels.

Der Investmentmarkt für Einzelhandelsimmobilien zeigte sich mit einem Transaktionsvolumen von 8,7 Milliarden Euro davon unbeeindruckt. Für 2014 erwartet CBRE sogar einen leichten Anstieg des Transaktionsvolumens auf neun bis zehn Milliarden Euro. „Wachsende Online-Anteile werden nicht als Bedrohung gesehen“, gibt Jahn Entwarnung. Die Nachfrage nach Core-Objekten bleibt ungebrochen hoch, dabei vor allem nach der Spitzen-Assetklasse Shoppingcenter. Aufgrund der hohen Preise im Core-Segment geraten zunehmend Fachmarktzentren in den Blickpunkt. Hier erwarten die Gutachter ein wachsendes Investitions- und Modernisierungsinteresse.

Leitfaden zur Einführung von Nachhaltigkeitsmessungen für Immobilienportfolios

Zur Einführung von technologisch-ökologischen Nachhaltigkeitsmessungen im Immobilienportfolio hat der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) in Zusammenarbeit mit Drees & Sommer jüngst einen Leitfaden herausgegeben. Ziel ist es, die Nachhaltigkeitsperformance der Branche weiter zu verbessern.

„Erreicht werden kann dies nur mit mehr Transparenz und einheitlichen, vergleichbaren Daten – nicht nur für einzelne Objekte, sondern auch für umfassende Portfolios“ erklärt Dr. Peter Mösle, Autor sowie Partner und Geschäftsführer bei Drees & Sommer, die Intention für den Leitfaden. Die große Nachfrage aus dem In- und Ausland zeige, dass ein Nerv getroffen sei, sagt Thomas Zinnöcker, Vizepräsident und Vorsitzender des Nachhaltigkeitsrates des ZIA. Der Leitfaden sei bereits an EU-Kommissar Oettinger übergeben worden, an der englischen Ausgabe werde gearbeitet.

LeitfadenNachhaltigkeit_DresoZia

Das Fonds- und Asset-Management kann nur dann seiner Verantwortung gerecht werden, wenn dort mehr Nachhaltigkeitsindikatoren vorliegen.

Mit Standards zur Nachhaltigkeitsmessung werden Grundlagen geschaffen, um Bestandsimmobilien ökologisch, ökonomisch und sozial werthaltig weiterzuentwickeln. Dafür müssen neue Aufgaben in allen Ebenen der Portfolio- und Objektbetreuung
eingeführt werden. Aus der strategischen Bedeutung der Nachhaltigkeitsperformance entsteht die Notwendigkeit, mehr technische Informationen – wie etwa den Energieverbrauch – aus der Gebäudeebene in die Portfolioebene zu überführen. Nur mit diesen Daten kann das Fonds- und Assetmanagement künftig seiner strategischen Verantwortung gerecht werden.

Meist werden neue Gesetze und Verfahren zuerst für Neubauten eingeführt, da sie dort sehr viel einfacher in die Entwicklungsprozesse integriert werden können als bei bereits bestehenden Objekten. Jedoch wurden rund 75 Prozent der Immobilien in Deutschland bereits vor 1979 errichtet. Eine spürbare Steigerung der Nachhaltigkeitsperformance in der Immobilienwirtschaft ist demzufolge nur möglich, wenn bestehende Immobilienportfolios ebenfalls optimiert werden. Derzeit beträgt die mittlere Sanierungsrate circa ein Prozent. Bis 2050 soll der europäische Gebäudebestand CO2-neutral werden, so die Anforderungen der 2010 in Kraft getretenen EUGebäuderichtlinie. Bei der aktuellen Sanierungsrate ist dieses Ziel utopisch.

Angesichts der Herausforderungen durch die Energiewende und den Anforderungen an Klimaneutralität ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Immobilienwirtschaft, die Nachhaltigkeitsperformance im Bestand auf freiwilliger Basis zu erhöhen. Der ZIALeitfaden soll dabei eine Orientierungshilfe für Bestandshalter sein, sich mit den technisch-ökologischen Kriterien ihrer Objekte auseinanderzusetzen.

Implementieren die Eigentümer die empfohlenen Prozesse kann künftig die Nachhaltigkeitsperformance länderübergreifend verglichen werden. Zudem macht das Benchmarking den Immobilienwert des eigenen Portfolios transparent und deckt eventuellen Handlungsbedarf auf. Damit lässt sich der Wert dauerhaft strategisch verbessern.

Nachtrag:
Hier ist auch noch der Link zum Leitfaden: www.zia-deutschland.de/index.php/tools/required/download.php?fID=1829 (PDF)

Grafik: Drees & Sommer