Sind in 15 Jahren smarte Städte Realität?

Diese Frage lässt sich mit „Ja“ beantworten, nimmt man eine Umfrage des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) zur Grundlage. Nach der gehen 67 Prozent der VDE-Mitgliedsunternehmen davon aus, dass spätestens 2030 die Entstehung von Smart Cities – jenseits von Pilotprojekten und Demonstratoren – in einem volkswirtschaftlich bedeutenden Umfang zu erwarten ist.

Trotz dieser Erwartung, spielt die deutsche Industrie bei dieser Entwicklung nur eine untergeordnete Rolle. Zwar glauben 61 Prozent der Unternehmen, dass Smart-Cities-Technologien die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stärken werden, aber nur 28 Prozent sind davon überzeugt, dass die deutsche Industrie zum Leitanbieter für Smart-Cities-Technologien wird. Sechs von zehn Unternehmen sind noch unentschieden in dieser Frage.

Auch glauben nur 22 Prozent der Unternehmen, dass mit dem Trend zu Smart Cities mehr Arbeitsplätze entstehen werden. Dies sind Ergebnisse des VDE-Trendreports, einer Umfrage unter den 1 300 Mitgliedsunternehmen des VDE.

Die größten Aufgaben auf dem Weg zu Smart Cities liegen in den Bereichen Mobilitätskonzepte, Energie-Infrastruktur, Verkehrs-Infrastruktur und IT-Sicherheit sowie der branchen- und technologieübergreifenden Zusammenarbeit. Vor allem die Bereiche Gebäudetechnik und Elektrotechnik sowie die Energieversorger und die IKT-Branche werden nach Ansicht der Experten vom Trend zu Smart Cities profitieren.

Neue Plattform für Smart-Data-Spitzenforschung

Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Politik haben unter Teilnahme von Bundesministerin Professorin Johanna Wanka am 8. Januar am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Startschuss für die Einrichtung der Forschungsplattform Smart Data Innovation Lab (SDIL) gegeben. Durch die Bereitstellung einer Höchstleistungsinfrastruktur sowie Daten aus Industrieprozessen sollen wichtige Voraussetzungen für die Spitzenforschung im Bereich Big Data geschaffen werden.

Aufgrund der engen Zusammenarbeit von allen Beteiligten können so auch neueste Forschungserkenntnisse effizient an die Industrie weitergegeben werden und zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen für europäische Unternehmen beitragen. Projekte werden sich zunächst auf die strategischen Forschungsfelder Industrie 4.0, Energiewende, Smart Cities und Personalisierte Medizin beziehen.

Das SDIL, das in Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung konzipiert wurde, wird am KIT betrieben. Neben dem Betreiber zählen Bayer, Bosch, Microsoft Deutschland, SAP, Siemens und die Software AG ebenso zu den Gründungspartnern wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), die Fraunhofer-Gesellschaft und das Forschungszentrum Jülich.

Darüber hinaus unterstützen bereits heute mehr als 20 weitere Unternehmen sowie Institutionen das SDIL. Dazu zählen Unternehmen wie Infineon, Trumpf und Volkswagen sowie der Branchenverband Bitkom und die Deutsche Gesellschaft für Informatik (GI). Das SDIL steht weiteren interessierten Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft zur Mitarbeit offen. Ein besonderer Fokus des SDIL liegt auch auf der Förderung von kleinen Unternehmen, die von den Kontakten zu etablierten Anbietern profitieren und völlig neue Lösungen und Dienstleistungen im Umfeld von Big Data anbieten können.

Gründungspartner des Smart Data Innovation Lab

Die Gründungspartner des Smart Data Innovation Lab am KIT in Karlsruhe

Das KIT betreibt schon heute Infrastrukturen für große Datenmengen: zum Beispiel das Datenzentrum GridKa als Teil eines weltweit verteilten Netzwerkes für das europäische Teilchenbeschleunigerzentrum CERN. Seit Jahren befasse sich die Informatik am KIT außerdem mit Analysemethoden, Auswertealgorithmen und Datensicherheit, wie der Präsident des Instituts, Professor Holger Hanselka, betonte.

Die Arbeitsgruppen für die aktuellen vier Forschungsfelder werden von jeweils einem Vertreter aus Wissenschaft sowie Industrie geleitet. Die Arbeitsgruppen entscheiden gemeinschaftlich über die Ausgestaltung und Vergabe der Ressourcen des SDIL für Forschungsprojekte. Weitere Forschungsschwerpunkte sind im Laufe der Zeit geplant.

Die Wissenschaftler erhalten im Rahmen abgegrenzter Projekte Zugang zu Daten aus Industrieprozessen, die auf der Plattform sicher gespeichert sind. Die Analyse der Daten, beispielsweise die Beschreibung und Strukturierung von spezifischen Datensätzen oder auch das Auffinden von Anomalien, erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Unternehmenspartner, wodurch ein schneller Wissens- und Technologietransfer möglich wird. Die beteiligten Forschungsinstitute werden außerdem allgemeingültige Werkzeuge und Methoden zur Datenanalyse entwickeln, die über die Plattform allen Teilnehmern des Smart Data Innovation Lab zur Verfügung gestellt werden können.

Das SDIL fügt sich auch in die Baden-Württemberg-Initiative „Forward IT“ ein, die das Zusammenwirken von Wirtschaft und Wissenschaft unter anderem auf den Feldern Industrie 4.0, Unternehmenssoftware, Mobilität und IT-Sicherheit stärken will.

Das Konzept für die Forschungsplattform wurde in der Arbeitsgruppe „Bildung und Forschung für die digitale Zukunft“ des Nationalen IT-Gipfels der Bundesregierung entwickelt. Die Arbeitsgruppe konzentriert sich auf die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie Forschung für die digitale Zukunft und verwirklichte in dem Zusammenhang bereits zwei erfolgreiche Initiativen: Software Campus Netzwerk (2011) und Academy Cube (2012).

Bild: DFKI/Gründungspartner des Smart Data Innovation Lab, Karlsruhe, 08.01.2014