Trend verpennt: Wohnen auf Zeit

Von Markus Selinger, Geschäftsleitung der CG Immobilien Gruppe

Deutsche Metropolen erleben einen Ansturm im Geschäftsreisemarkt. Immer öfter übernehmen Arbeitnehmer temporäre Projekte. Für längere Aufenthalte sind Hotelzimmer häufig ungeeignet – zum einen stehen weder Küche noch Waschmaschine zur Verfügung; zum anderen sind Hotels als Lösung für mehrere Monate zu teuer. Möblierte Wohnungen mit optionalen Leistungen wie Handtuchwechsel oder Brötchen an der Tür bieten die Alternative. Doch im Gegensatz zu internationalen Investoren reagiert der deutsche Markt zögernd auf die steigende Nachfrage.

Laut aktueller Studie des Global Services Apartments Industry Report (GSAIR) stieg die Anzahl der Serviced Apartments in den letzten zwei Jahren um 9,4 Prozent an. Weltweit liegt das Angebot bei 656 000 Apartments. In Deutschland gibt es etwa 25 000 – als Wirtschaftsstandort eine mittlere Katastrophe. Dabei wächst der Bedarf weiter.

Markus Selinger

Markus Selinger, CG Immobilien Gruppe

Wohnungen auf Zeit gelten als interessante Investitionschance. Dazu kommt die hohe Stabilität bei der Belegung: Anders als bei Urlaubshotels gibt es kaum saisonale Schwankungen. Durch die längeren Aufenthalte sind Apartments weniger managementintensiv und damit kostengünstiger als klassische Hotels. Zusatzangebote wie Einkaufservice, Reinigung oder Gastronomie verheißen weitere Einnahmen.

Während sich Serviced Apartments und Boardinghäuser in den USA und Kanada etabliert haben und dort Know-how im Bereich Wohnen auf Zeit vorhanden ist, fehlen in Deutschland Langzeiterfahrungen. Sicher einer der Gründe, warum deutsche Investoren noch zögern, sich in diesem Segment zu engagieren. Währenddessen drängen internationale Player auf den Markt und sichern sich die attraktivsten Standorte.

Beispiele dafür gibt es genügend: das Marriott mit dem „Residence Inn“ in München; Ascott Limited aus Singapur mit „Citadines“ in Berlin, Frankfurt, Hamburg, München oder TFE Hotels, einem Projekt der Far East Hospitality und der Toga Group, mit „Adina Apartment Hotels“ in Berlin, Frankfurt und Hamburg. Die Frasers Hospitality Group, eine Tochtergesellschaft von Frasers Centrepoint Limited, plant gerade ein Projekt in der Nähe der Museumsinsel Berlin.

Deutschland gilt als einer der Märkte mit großem Potenzial. Der Konkurrenzdruck wächst; alles spricht für einen schnellen Einstieg. Vor allem Angebote zwischen normalen Wohnungen und Boardinghäusern mit einer Vermietungsdauer jenseits eines halben Jahres sind nach wie vor Mangelware. Deutschland braucht jedoch eine neue Form des Wohnens auf Zeit mit optionalen Serviceleistungen, die Fristen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren abdeckt und für die hochmobilen Nutzergruppen von heute geeignet sind. Momentan sind dazu weder Hotels noch Boardinghäuser oder Serviced Apartments geeignet. Diese Lücke gilt es zu schließen. Doch ein Großteil der deutschen Investoren scheint zu schlafen. Wer aber wacher als die anderen ist, kann jetzt in neue Projekte investieren und sich ein Stück des Kuchens sichern.