Königsklasse Quartiersentwicklung

Ein Gastbeitrag von Thorsten Wiehe, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Goldwert Gruppe.

Thorsten Wiehe

Thorsten Wiehe

Quartiersentwicklung ist seit einigen Jahren wieder en vogue. Nach der Wiedervereinigung hatte es eine Phase gegeben, in der ganze Stadtteile auf dem Reißbrett entwickelt und auf der grünen Wiese umgesetzt wurden. Die Quartiere von heute sind typischerweise in der Innenstadt gelegen. In erster Linie sind es Konversionsprojekte: Meist sind es ehemalige Bahnareale, aufgegebene Militär- oder Industrieflächen.

Quartiersentwicklung auf der grünen Wiese ist weniger anspruchsvoll als die Quartiersentwicklung in den Innenstädten. Bei Letzterem schauen die Behörden noch genauer hin und verlangen eine Reihe von Gutachten  – zum Beispiel zum Schallschutzkonzept.

Die Rolle des Projektentwicklers

Eine besondere Rolle kommt dabei dem Projektentwickler zu. Grundsätzlich ist ein Projektentwickler in erster Linie ein Problemlöser. Probleme tauchen bei jeder Projektentwicklung auf. Bei innerstädtisch gelegenen Quartieren betragen die Probleme ein Vielfaches von denen, die bei einer einfachen Projektentwicklung anfallen.

Die Komplexität erhöht sich auch dadurch, dass in Quartieren meist ein Mix aus verschiedenen Nutzungsarten entsteht. Der Projektentwickler muss mit den unterschiedlichen Themen Wohnen, Büro, Einzelhandel und Hotel umgehen können. Daher kann die Entwicklung von innerstädtischen Quartieren durchaus als die Königsklasse der Projektentwicklung bezeichnet werden.

Gelungene Quartiere bestechen durch Nachhaltigkeit

Ein gelungenes Quartier ist ein zusammenhängendes Gebiet mit funktionaler, baulicher und sozialer Vielfalt sowie qualitätsvollen öffentlichen Räumen. Der Ansatz der Nutzungsmischung findet sich darin. Im Idealfall wird auch die Idee der „Stadt der kurzen Wege“ realisiert: Das Quartier ist gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, dies folgt allerdings meist bereits aus der oben angesprochenen zentralen oder zentrumsnahen Lage innerhalb des Stadtgefüges. Das Quartier selbst hat ein gewisses Volumen, das ihm – gepaart mit seiner städtebaulich-architektonischen Qualität – eine herausragende Stellung für sein Umfeld verleiht.

Anspruchsvoll ist auch das Einbinden des Quartiers in sein Umfeld. Zwar ist das Quartier eine zusammenhängende, in sich stimmige Einheit, es sollte aber auch die Gefüge und städtebaulichen Zusammenhänge seines Umfelds berücksichtigen. Das setzt voraus, dass dem Quartier ein einheitliches, übergreifendes städtebauliches Konzept zugrunde liegt. Oft erstreckt sich das Quartier dabei über mehrere Grundstücke, und es umfasst mehrere Gebäude.

Quartiersentwicklung ist die Königsklasse

Dabei ist es egal, ob ein Quartier als Neubau neu geschaffen oder bestehende Strukturen zu einem Quartier weiterentwickelt werden. Beide Fälle – die Neuentwicklung und das übergreifende Redevelopment mit Quartiers-Ansatz – sind städtebauliche Aufgaben, die in ihrer Komplexität kaum zu überbieten sind.

Die aktuellen Quartiersentwicklungen sind aus den genannten Gründen sehr viel anspruchsvoller als in der Vergangenheit. Projektentwicklung ist die Königsdisziplin der Immobilienwirtschaft und innerhalb der Projektentwicklung ist wiederum die Quartiersentwicklung die Königsklasse.