Autofreies Einkaufen

von Markus Wotruba, Leiter Standortforschung bei der BBE Handelsberatung GmbH

Jede voll besetzte U-Bahn entspricht rund 950 Fahrgästen, jeder Stadtbus immerhin noch rund 130 Fahrgästen. Ein üblicher PKW dagegen hat Platz für fünf Personen. Im Durchschnitt befördert er sogar nur 1,2 Personen. Trotzdem hat der Einzelhandel in Deutschland vor allem eines im Blick: den autofahrenden Kunden. Dabei ignoriert er, dass eine stetig wachsende Kundengruppe andere Verkehrsmittel nutzt.

Markus Wotruba

Markus Wotruba, Leiter Standortforschung bei der BBE Handelsberatung GmbH

Die Zuwächse bei öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) sind in den Städten weitaus höher als die Zunahme des Autoverkehrs. Spätestens 2008, als die Kraftstoffpreise ein Zwischenhoch erreichten, zeigte sich, dass die Kunden auf steigende Mobilitätskosten durchaus mit einer Veränderung im Mobilitätsverhalten reagieren. Während das Auto insgesamt und vor allem im Freizeitverkehr nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, wird so manche Einkaufsfahrt auf andere Verkehrsmittel verlagert. Zudem verliert das Einkaufen vor Ort generell an Bedeutung und das dafür aufgewendete Zeitbudget sinkt. Das bekommen vor allem die Betreiber von großflächigen Verkaufsflächen in autoorientierten Lagen zu spüren. Das Format des SB-Warenhauses kriselt. Lebensmittelanbieter haben bereits reagiert und kleinflächigere Konzepte für die Innenstädte entwickelt.

Zwar gilt nach wie vor, dass der Autokunde einen höheren Umsatz generiert als der Kunde, der mit anderen Verkehrsmitteln anreist. Dennoch darf nicht nur die Erreichbarkeit mit dem Auto im Fokus stehen. Der Kunde, der nicht mit dem Auto kommen möchte, kauft im besten Fall mehrmals ein – vor allem bei Lebensmitteln – und sorgt so für einen höheren Umsatz. Im für den stationären Handel schlechtesten Fall bleibt er zu Hause und bestellt im Internet.

Ziel der Einzelhändler muss es also sein, in Zukunft nicht nur bei Planungen mitzureden, die den PKW Verkehr betreffen, sondern auch bei allen anderen Verkehrsthemen. Die Erreichbarkeit zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit Bus oder Bahn ist ein entscheidender Faktor – zumindest in Städten ab circa 60.000 Einwohnern. Und wie beim Auto zählt hier die Bequemlichkeit. Schon 100 Meter mehr zum nächsten ÖPNV-Anschluss oder eine schlechte Beschilderung können sich negativ auf die Kundenfrequenz auswirken. Fest steht: Der Handel im Allgemeinen und Betreiber von Einzelhandelsimmobilien im Speziellen sollten sich schnell auf die neuen Mobilitätsgewohnheiten einstellen. Denn neue Haltestellen verändern die Fußgängerfrequenzen mittlerweile ebenso stark wie ein neues Parkhaus.

Master-Studiengang Verkehrsinfrastrukturmanagement

Die ganzheitliche Betrachtungsweise der Verkehrsinfrastruktur steht im Fokus des neuen Master-Studiengangs Verkehrsinfrastrukturmanagement an der Hochschule für Technik Stuttgart.

Interessant ist das Angebot für Studieninteressierte, die bereits einen Bachelor-Abschluss in Infrastrukturmanagement oder Bauingenieur- und Verkehrswesen erfolgreich absolviert haben. Studienbeginn ist im Wintersemester 2014/15, Bewerbungen sind bis zum 15. August 2014 möglich.

Unter dem Einfluss von Klimawandel, Ressourcenverknappung und demographischen Verschiebungen kommt dem Thema Mobilität eine Schlüsselfunktion zur zukunftsfähigen Gestaltung der Lebensverhältnisse zu. Diese Herausforderungen erfordern von den Kommunen und Regionen zunehmend komplexere integrierte Siedlungs- und Verkehrsentwicklungsplanungen sowie eine effiziente Infrastrukturplanung.

Hier setzt der Master-Studiengang Verkehrsinfrastrukturmanagement an. Er nimmt in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise die Verkehrsinfrastruktur in den Blick.

In interdisziplinärer Ausrichtung werden die wirtschaftlichen, technischen und juristischen Komponenten von Planung, Entwurf, Betrieb und Erhaltung von Verkehrsinfrastrukturanlagen beleuchtet. Dabei werden alle Verkehrsträger sowie alle Mobilitätsformen vom Individualverkehr bis zum Öffentlichen Personennahverkehr einbezogen.

Die Fakultät Bauingenieurwesen, Bauphysik und Wirtschaft bereitet die Studierenden in einem dreisemestrigen Vollzeitstudium auf einen Abschluss als Master of Engineering (M.Eng.) vor.

„Bislang wurde in bestehenden Studiengängen häufig nur der Neu- und Ausbau von Verkehrsanlagen thematisiert. Auf die aktuellen Anforderungen und Problemlagen sind Berufseinsteiger klassischer Studiengänge daher meist unzureichend vorbereitet“, erklärt Prof. Dr. Lutz Gaspers. Daher würden in der Praxis dessen Absolventinnen und Absolventen stark nachgefragt, sei es von Betreibern von Verkehrsanlagen, Verkehrsbetrieben, Ingenieurbüros und von auf Verkehr spezialisierten Beratungsgesellschaften.

Sind in 15 Jahren smarte Städte Realität?

Diese Frage lässt sich mit „Ja“ beantworten, nimmt man eine Umfrage des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) zur Grundlage. Nach der gehen 67 Prozent der VDE-Mitgliedsunternehmen davon aus, dass spätestens 2030 die Entstehung von Smart Cities – jenseits von Pilotprojekten und Demonstratoren – in einem volkswirtschaftlich bedeutenden Umfang zu erwarten ist.

Trotz dieser Erwartung, spielt die deutsche Industrie bei dieser Entwicklung nur eine untergeordnete Rolle. Zwar glauben 61 Prozent der Unternehmen, dass Smart-Cities-Technologien die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stärken werden, aber nur 28 Prozent sind davon überzeugt, dass die deutsche Industrie zum Leitanbieter für Smart-Cities-Technologien wird. Sechs von zehn Unternehmen sind noch unentschieden in dieser Frage.

Auch glauben nur 22 Prozent der Unternehmen, dass mit dem Trend zu Smart Cities mehr Arbeitsplätze entstehen werden. Dies sind Ergebnisse des VDE-Trendreports, einer Umfrage unter den 1 300 Mitgliedsunternehmen des VDE.

Die größten Aufgaben auf dem Weg zu Smart Cities liegen in den Bereichen Mobilitätskonzepte, Energie-Infrastruktur, Verkehrs-Infrastruktur und IT-Sicherheit sowie der branchen- und technologieübergreifenden Zusammenarbeit. Vor allem die Bereiche Gebäudetechnik und Elektrotechnik sowie die Energieversorger und die IKT-Branche werden nach Ansicht der Experten vom Trend zu Smart Cities profitieren.

Neue Arbeitswelten als Herausforderung für das Facility Management

Die Leitveranstaltung des RealFM e.V., das FM Kolloquium in Berlin, widmet sich in diesem Jahr dem Rahmenthema „Arbeitswelten werden mobiler – Herausforderung für das Facility Management“. Am 12. und 13. März will man sich damit den Veränderungen stellen, die die mobiler werdenden Arbeitswelten mit sich bringen – ein Thema, das hinsichtlich der Konsequenzen für die Unternehmenskultur und die Mitarbeiterführung bereits sehr stark diskutiert wird. Allerdings noch nicht mit seinen Auswirkungen auf das Facility Management.

In Vorträgen und Diskussion sollen daher laut der Agenda folgende Fragen bearbeitet werden:

  • Welche Rolle spielt heute noch das Immobilieneigentum für die Gestaltung der Geschäftsprozesse?
  • Steht bereits die anforderungsgerechte Nutzung der Fläche im Vordergrund?
  • Wie erreicht man Flexibilität zur Gewährleistung von Standort und Ressourcenanpassungen in immer kürzeren Zeitabständen?
  • Wie beeinflussen demografischer Wandel und Generationswechsel die Anforderungen an die Sekundärprozesse?
  • Wie verändern sich die Faktoren eines attraktiven Standortes im Wandel der mobilen Arbeitswelten?
  • Hat Qualität heute noch immer ihren Preis?
  • Wie viel Mobilität ist einer nachhaltigen Entwicklung zuträglich?

Anmeldungen sind noch bis zum 15. Februar möglich. Weitere gibt es unter: www.fm-kolloquium.de