Architekten setzen auf Printmedien

Ergebnisse des Kommunikationsmonitors 2014 von BauInfoConsult zeigen, dass die meisten Architekten gedruckte Medien wie Fachzeitschriften oder Hersteller-Dokumentationsmappen für die geeignetste Möglichkeit halten, sich rund um Bau- und Installationsprodukte zu informieren – auch wenn sie in der Praxis wesentlich häufiger im persönlichen Gespräch oder im Internet fündig werden.

Das Düsseldorfer Marktforschungsunternehmen hat 180 Architekten in telefonischen Interviews dazu befragt, welche Medien sie häufig verwenden. Dabei wurde deutlich, dass Informationen in der täglichen Arbeit vor allem im persönlichen Gespräch oder über Internetrecherchen bezogen werden. Gedruckte Broschüren oder Branchen-Fachzeitschriften werden zwar ebenfalls regelmäßig zu Rate gezogen, doch weitaus seltener wöchentlich oder öfter.

Eine gezielte Folgefrage an einige Architekten zeigt jedoch, dass gedruckten Informationen trotz ihrer weniger häufigen Nutzung bei den Allermeisten als das beste Medium gelten – egal ob es um technische Informationen, Verarbeitungsvorschriften, gesetzliche Regelungen, Berichte über neue Entwicklungen oder Unternehmensinformationen geht.

Grafik: BauInfoConsult, April 2014

Grafik: BauInfoConsult, April 2014

Persönliche Kontakte (zum Beispiel mit Kollegen oder Vertriebsmitarbeitern oder Messebesuche) werden vor allem dann von vielen bevorzugt, wenn es um konkrete und kurzfristige Informationen geht: So tauscht sich gut jeder vierte Architekt über Referenzprojekte, Sonderangebote oder die Verfügbarkeit von Produkten persönlich aus. Jeder Fünfte bevorzugt das „schnelle“ Medium Internet, um sich über aktuelle Entwicklungen oder aktuelle Informationen zu konkreten Herstellern auf dem Laufenden zu halten.

Masterstudiengang für Führungskräfte des Baubetriebs

Gemeinsam mit Vertretern der Bauwirtschaft ist an der Bergischen Universität Wuppertal der praxisorientierte Masterstudiengang Baubetrieb (Führung, Prozesse, Technik) entwickelt worden. Er richtet sich an Bauingenieure und Architekten, aber auch Wirtschaftsingenieure, die in der Bauwirtschaft als Projektleiter tätig sind.

Das berufsbegleitende Studium dauert drei Jahre, orientiert sich konsequent am Bauprozess und vermittelt technische Lösungen ebenso wie Führungskompetenz. Das Studium findet in drei Blöcken – jeweils im Februar und März eines Jahres – statt. Den Rest des Jahres arbeiten die Studierenden im Unternehmen und können das theoretisch Erlernte direkt in der Praxis anwenden.

Das Studium soll die künftigen Baustellenführungskräfte gezielt auf ihren Berufsalltag vorbereiten. Daher gehören Bauverfahrenstechniken ebenso zum Studium wie die Vermittlung von fundiertem Wissen über die Prozesse vor, während und nach der Bauausführung. Darüber hinaus stehen neue Technologien wie BIM-basiertes Bauen (Building Information Modeling) und der Umgang mit Projektkommunikationssystemen auf dem Lehrplan.

„Die Teilnehmer sollen nach ihrem Studium in der Lage sein, die hohen Ansprüche an die Qualität von Bauwerken zu erfüllen und dabei sowohl die Kosten und Termine, als auch die Sicherheit für Mensch und Material im Blick haben,“ sagt Initiator und Studiengangleiter Dr.-Ing. Manfred Helmus, Professor für Baubetrieb und Bauwirtschaft an der Bergischen Universität Wuppertal.

Neben technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Inhalten wird den Master-Studierenden auch das Thema Arbeitsschutz vermittelt. Dieser wichtige Bereich wurde zusammen mit der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft entwickelt, die sowohl die Entwicklung als auch die Umsetzung des Studiengangs maßgeblich fördert.

Bewerbungen sind ab sofort möglich unter www.baubetrieb.de.

3 Masterstudiengänge für Architekten an der HS Bochum

Die Hochschule Bochum bietet Architekten drei Masterprogramme mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.

Der einjährige Masterstudiengang AMM Architektur Media Management bietet angehenden Architekten unter der Leitung von Prof. Jan R. Krause professionelle Methoden zur Profilbildung und Positionierung des eigenen Architekturbüros. Darüber hinaus ermöglicht er eine Spezialisierung auf Kommunikationsstrategien, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Visualisierung. Die AMM Absolventen sind später als Pressesprecher oder Redakteure, in Marketing oder Werbung, als selbstständige Mediendienstleister oder Freie Architekten tätig.

Der Masterstudiengang MAE Architektur Projektentwicklung ist ein einjähriger Studiengang, der das Initiieren architektonischer Projekte ermöglicht. Der Schwerpunkt des von Prof. Xaver Egger geleiteten Studiums liegt in der Erarbeitung baukulturell, inhaltlich, ästhetisch und ökonomisch nachhaltiger Lösungen durch Architekten als Gegenpol zum rein wirtschaftlich ausgerichteten Berufsfeld des Projektentwicklers.

Der Masterstudiengang Städtebau NRW wird gemeinsam von den Fachhochschulen Bochum, Dortmund, Köln und der Universität Siegen durchgeführt. Er dauert zwei Jahre und ermöglicht den Zugang zum Berufsfeld „Städtebau und Stadtplanung“. Der Schwerpunkt des Masterprogramms von Prof. Andreas Fritzen liegt in der Erarbeitung zukunftsfähiger Lösungen für die Weiterentwicklung der Städte und Gemeinden in unserem hochindustrialisierten und dicht besiedelten Land.

Die Masterstudiengänge der Hochschule Bochum sind akkreditiert. Sie befähigen zur Promotion und zu einer Laufbahn im höheren öffentlichen Dienst. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli 2014.

Am 5. Mai 2014, ab 14 Uhr, stellt die Hochschule Bochum die drei Masterstudiengänge übrigens auf einem Master-Info-Tag vor. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Fachbereichs Architektur der Hochschule Bochum.

Branchentreff: Consense 2014

Am 1. und 2. Juli 2014 findet an der Messe Stuttgart die Consense statt, eine internationale Fachmesse mitsamt Kongress für nachhaltiges Bauen, Investieren und Betreiben.

Das Herzstück der Veranstaltung bilden der Kongress mit internationalen Referenten und der Ausstellerbereich mit seinen Fachforen und Sonderschauen. Im Zentrum der Ausstellungsfläche finden sich drei Foren zu den Schwerpunktthemen: Bauen, Betreiben und Investieren.

Im Forum „Bauen“ wird es unter anderem um die beiden Themen „Positionen – den Wandel gestalten“ und „Kompetenzen – Schlüsselqualifikationen erweitern“ gehen. Was sich genau dahinter verbirgt, wir sich noch zeigen, das ausführliche Programm wird noch bekannt gegeben. Referenten sollen sowohl renommierte Architekten als auch Newcomer sein.

Im „Forum Betreiben“ wird es in den Sessions und Vorträgen beispielsweise darum gehen, wie Immobilien nachhaltig bewirtschaftet werden und welche Anforderungen heute zu erfüllen sind. Im Fokus sollen auch dort die unterschiedlichen Interessen von Investoren, Eigentümern und Mietern stehen.

Auf der Sonderschau „Consense Material“ wird eine breite Auswahl an Baustoffen und Materialien zum nachhaltigen Bauen zeigt – sämtliche Stoffe sind auch nach ökologischen Eigenschaften klassifiziert.

Das Programm wird von der Messe Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB entwickelt.

Im Juni in Aachen: ICBEST 2014

Vom 9. bis 12. Juni 2014 findet in Aachen die „International Conference on Building Envelope Systems and Technologies“ (ICBEST) statt.

In der Selbstbeschreibung heißt es:

„The International Conference on Building Envelope Systems and Technologies (ICBEST) is a worldwide forum for building envelope engineering. It provides information exchange and discussions of recent developments and their application thus bridging the gap between architects, designers, engineers, manufacturers and researchers.“

Zu den Keynote-Speakern gehören Inge Paulini WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen), Eckhart Hertzsch vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Thomas Rau von RAU architects, Albert van Grieken von van Grieken & Associates, Martin Lutz von DS-Plan sowie Christoph Heer von der Heer Solar Consulting GmbH.

OMA baut für Axel Springer neues Verlagshaus

Die finale Platzierung im Architektenwettbewerb von Axel Springer steht fest: Das Büro OMA soll in weiterer Abstimmung mit dem Bauherrn und den zuständigen Behörden die Details eines genehmigungsfähigen Entwurfs erarbeiten.

In einer abschließenden beratenden Sitzung am Dienstag, 25. März 2014, sprach die Jury, bestehend aus Fachexperten, Vertretern der Stadt Berlin und des Unternehmens Axel Springer, eine einstimmige Empfehlung für das Konzept des Architekturbüros von Rem Koolhaas aus. Der Entwurf setzte sich gegen die Konzepte der zwei weiteren Gewinner des Architektenwettbewerbs Bjarke Ingels Group (BIG) und Buro Ole Scheeren durch.

Der Entwurf von OMA (Rem Koolhaas) / Bild: Axel Springer

Der Entwurf von OMA (Rem Koolhaas) / Bild: Axel Springer

Die Aufgabe des im Mai 2013 ausgelobten Wettbewerbs war es, Ideen zu entwickeln, um zusätzliche Räumlichkeiten für die wachsenden Unternehmensbereiche von Axel Springer, darunter vor allem die digitalen Angebote, zu schaffen. Darüber hinaus sollen mit der geplanten Baustruktur neue Standards in Atmosphäre, Nutzungsmöglichkeiten und Raumgestaltung  für eine moderne Arbeitsumgebung  gesetzt werden. 18 deutsche und internationale Architektenbüros haben am Wettbewerb teilgenommen.

Der Entwurf von OMA (Rem Koolhaas) / Bild: Axel Springer

Der Entwurf von OMA (Rem Koolhaas) / Bild: Axel Springer

Am 12. Dezember 2013 endete mit der Prämierung der drei Architektenbüros Bjarke Ingels Group, Buro Ole Scheeren und OMA der operative Teil des Architektenwettbewerbs. Die Gewinnerentwürfe wurden in den darauffolgenden Wochen vor allem auf grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit und Umsetzbarkeit des geplanten Neubaus geprüft. Ein Planungsauftrag erfolgt, nachdem entschieden wurde, ob und wann das Bauprojekt tatsächlich umgesetzt werden kann.

Zentraler Bestandteil des Gewinnerentwurfs von Rem Koolhaas ist das über 30 Meter hohe Atrium, das sich zum bestehenden Axel-Springer-Haus hin öffnet. Die miteinander verbundenen Terrassen und eine öffentliche Arbeitsfläche erschaffen eine Umgebung, in dem individuelles wie kollektives Arbeiten möglich ist. Der als „offenes Tal“ anmutende Entwurf beantwortet damit die Frage, wie Büros in einer mobilen Arbeitswelt aussehen könnten.

Laut der Jurymitglieder beinhalte der Entwurf nicht nur gute Architektur und einen hohen Symbolwert, sondern gebe auch Antworten auf die Frage, wie wir in Zukunft arbeiten wollen. Nicht zuletzt führe der einstige Mauerlauf diagonal durch das Gebäude.

Axel Springer plant, die Einreichungen aller Teilnehmer des Wettbewerbs im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt am Main auszustellen. Bereits im Dezember 2013 erhielt die Öffentlichkeit die Möglichkeit, die 18 Modelle im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin zu besichtigen und sich kritisch mit den Ideen für den geplanten Neubau auseinanderzusetzen.

Architekten wünschen BIM-Daten von Bauproduktherstellern

Architekten erwarten, dass ihnen BIM-Informationen und 3D-Objekte für das Produktsortiment kostenfrei von den Herstellern von Bauprodukten zugänglich gemacht werden. Dies ist ein Ergebnis aus dem Q4 2013-Bericht des europäischen Architektenbarometers, einer vierteljährlichen Untersuchung unter 1 600 Architekten in acht europäischen Ländern.

Demnach ist durch die zunehmende Bekanntheit und Verwendung von BIM bei Architekturbüros in Europa auch deren Erwartungshaltung an die Hersteller von Baumaterialien und -produkten deutlicher geworden. Die Hersteller sollten BIM auf dem Schirm haben, insbesondere wenn sie wollen, dass ihre Produkte schon in der Frühphase von Großprojekten von der Bauleitung in Betracht gezogen werden. Denn in dieser Phase wird BIM derzeit am meisten verwendet, wie weitere Arch-Vision-Ergebnisse belegen.

Wenn Hersteller sich in Bezug auf BIM einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen wollen, sollten Sie den Architektur-und Ingenieurbüros vor allem durch folgende Aktionen das Leben leichter machen:

  • technische Produktinformationen/Ausschreibungsvorlagen für BIM,
  • freier Zugang zu BIM- Produktinformationen in Open-Source-BIM-Onlinedatenbanken sowie
  • Bereitstellung von 3D-BIM-Objektinformationen für ihr Produktsortiment.

Diese drei Anforderungen wurden in nahezu allen acht Ländern, in denen der europäische Architektenbarometer durchgeführt wird, als Hauptergebnis genannt.

Der nächste Schritt auf dem Weg zur BIM-relevanten Produktunterstützung führt über die Fähigkeit eines Herstellers in BIM zu konstruieren. Diese Anforderung haben vor allem die deutschen (32%) und niederländischen Architekten (20%) und im geringeren Maße ihre italienischen (12%) und belgischen Branchenkollegen (14%).

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Mehrheit der Architekten, die BIM verwenden, die BIM-Dokumente am liebsten direkt von der Internetseite des jeweiligen Herstellers herunterladen und dass lediglich die Belgier am liebsten eine allgemeine Plattform/Online.Bibliothek nutzen würden, die BIM-Dokumente von verschiedenen Herstellern sammelt. Es ist jedoch zu erwarten, dass diese Art Plattformen in Zukunft mehr Zulauf bekommen dürfte, sobald mehr Hersteller und eine größere Bandbreite von Bauprodukten dort vertreten sind.

Die Studie wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Polen viermal im Jahr von Arch-Vision durchgeführt. Neben Indikatoren für die Vorhersage des europäischen Bauvolumens wird jedes Quartal ein Thema in den Mittelpunkt gestellt. In Q4 2013 lautete das Thema „Building Information Modeling (BIM)“.

1. Quartals 2014: Besseres ifo Geschäftsklima bei den Architekten

Das Geschäftsklima bei den freischaffenden Architekten in Deutschland hat sich zu Beginn des ersten Quartals 2014 klar verbessert. Dabei verlängerte sich die Reichweite der Auftragsbestände von 5,9 auf 6,5 Monate. Damit erreichten die Auftragsreserven erstmals wieder eine Größenordnung, wie sie zuletzt beim Wohnungsbau-Boom nach der Wiedervereinigung verzeichnet wurde. Das berichtete das ifo Institut heute in München als Resultat seiner regelmäßigen Umfrage.

Das geschätzte Bauvolumen aus neu abgeschlossenen Verträgen (Neubauten ohne Planungsleistungen im Bestand) erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal  um über 40 Prozent. Diese Zunahme resultierte allein aus einer sichtlich höheren Nachfrage nach Planungen für Nicht-Wohngebäude (plus 88 Prozent). Im Wohnungsbau wurde das Volumen des Vorquartals dagegen geringfügig verfehlt.

Der Geschäftsklima-Wert stieg um 3,5 Punkte, von 8,5 Punkten auf 12,0 Punkte. Dies ist überwiegend auf eine optimistischere Einschätzung der kommenden sechs Monate zurückzuführen. Die Urteile über die aktuelle Lage hellten sich nur unbedeutend auf. Wie bereits im Vorquartal waren 42 Prozent der befragten Architekten mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil jener, die sie als „schlecht“ bezeichneten, auf 18 Prozent (Vorquartal: 19 Prozent).

Bekanntheitsgrad von BIM wächst bei Architekten

Anders als vor zwei Jahren kennen mittlerweile wesentlich mehr Architekten Building information Modeling (BIM). Langsam, aber sicher wächst auch die Zahl der Nutzer.

Allerdings haben vor allem Großbritannien und die Niederlande Vorsprung bei BIM: Dort gibt es bereits einen großen Prozentsatz von Architekten, die schon eine gewisse Erfahrung mit BIM gesammelt haben. Ihre französischen, spanischen und italienischen Kollegen haben dagegen immer noch Nachholbedarf beim Allgemeinwissen über BIM.

Die deutschen Architekten befinden sich im Mittelfeld. Das sind ausgewählte Ergebnisse aus dem Q4 2013-Bericht des europäischen Architektenbarometers, einer vierteljährlichen Untersuchung unter 1600 Architekten in acht europäischen Ländern. Die europäischen Architekten sind der maßgebende Indikator für die Bautätigkeit.

Seit 2009 verfolgt Arch-Vision die Verwendung von und Vertrautheit mit BIM bei europäischen Architekten. Die Vorteile von BIM sind wohlbekannt – auf dieser Grundlage wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass sich die Verwendung von BIM rasch ausbreiten würde. Vor allem da Bauherren und Investoren immer auf der Suche nach Möglichkeiten sind Fehlerkosten zu minimieren, um schneller, besser und billiger zu bauen.

Der Umstieg auf BIM geht dennoch in den meisten westeuropäischen Ländern eher schleppend voran, in denen der europäische Architektenbarometer durchgeführt wird. Die jüngste Befragungswelle belegt, dass die meisten europäischen Architekten sich immer noch in einem sehr frühen Stadium der BIM-Aneignung befinden. Sie schließen damit gerade erst Bekanntschaft.

In Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien hat eine große Mehrheit der Architekten nach wie vor noch nie von BIM gehört. Obwohl es also schon einen deutlich besseren Stand hat als noch vor zwei Jahren, hat BIM dennoch einen langen Weg nach Europa vor sich.

Die große Ausnahme sind die niederländischen und britischen Architekten. In diesen Ländern hat sich die BIM-Nutzung binnen zwei Jahren (von 2011 bis 2013) signifikant erhöht (Großbritannien: um 20%, Niederlande: um 10%). Bereits 2011 wurde in beiden Ländern BIM-Pionierarbeit geleistet, und auch 2013 ist der Vorsprung zum übrigen Europa groß.

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In Großbritannien haben vor allem Regierungsmaßnahmen dazu geführt, dass BIM sehr viel bekannter geworden ist: Zu nennen ist vor allem die Bauinitiative „Governmental Construction Strategy 2011“, in der unter anderem angekündigt wurde, ab 2016 in Renovierungsprojekten eine Kooperation der Projektbeteiligten mittels 3-D-BIM verbindlich vorzuschreiben. Architekturbüros, die in öffentlichen Bauprojekten wettbewerbsfähig bleiben wollen, haben deshalb begonnen mit BIM zu arbeiten. Im Jahr 2013 bestätigten sechs Prozent der britischen Architekten, dass sie in sämtlichen Projekten auf BIM zurückgreifen, 17 Prozent setzen BIM mehr und mehr in ihren Projekten ein.

In den Niederlanden hat das Nationale Amt für Bauwesen ebenfalls BIM als Standard eingeführt, der in erster Instanz in sogenannten DBFMO-Projekten verlangt wird (DBFMO steht für: Design, Build, Finance, Maintain and Operate („Entwerfen, bauen, finanzieren, instand halten und betreiben“), also für eine Art der Vergabe, die das niederländische Amt für Bauwesen vor allem in Infrastruktur- und Immobilienprojekten anwendet. Anders als bei herkömmlichen Vergabeformen werden in einem DBFMO-Projekt verschiedene Teile aus dem gesamten Bauprozess und dem Lebenszyklus des Gebäudes auf einmal auf den Markt geworfen. Häufig schließen sich mehrere Parteien als Auftragnehmer zusammen, typischerweise etwa ein Bauunternehmen, ein Instandhaltungsservice und ein Facility Management-Unternehmen).

Da die Regierungen dieser Länder die Vorteile von BIM propagieren und auch in öffentlichen Projekten fordern, wird sich dort die Umstellung auf BIM beschleunigen. Das hohe Einsparpotenzial bei Entwurf, Bau und Nutzung des Gebäudes wird sich auch bei Investoren und Bauherren schnell herum sprechen. Laut 24 Prozent der niederländischen Architekten kommen bereits Anfragen der Investoren und Kunden für Projekte vor, die mit BIM durchgeführt werden sollen. Dasselbe können 14 Prozent der Architekten in Großbritannien bestätigen.

Hintergrund der Studie
Diese und viele weitere Ergebnisse und Trends zu den europäischen Baumärkten findet man im europäischen Architektenbarometer, einer internationalen Untersuchung, die unter 1 600 Architekten in Europa erhoben wird. Die Studie wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Polen viermal im Jahr von Arch-Vision durchgeführt.

Neben Indikatoren für die Vorhersage des europäischen Bauvolumens wird jedes Quartal ein Thema in den Mittelpunkt gestellt. In Q4 2013 lautete das Thema „Building Information Modeling (BIM)“. Architekten können nicht nur als verlässliche Quelle für Informationen zur künftigen Baukonjunktur verwendet werden, sondern ihre Rolle ist überhaupt zentral, da sie großen Einfluss darauf haben, wie Projekte gebaut und welche Materialien verwendet werden.

Browserbasierte 3D-Konstruktionsmodelle

Saarbrücker Informatiker haben ein Verfahren entwickelt, das Änderungen an 3D-Modellen dokumentiert und gleichzeitig im Webbrowser auf jedem Gerät darstellen kann.

Die Renovierung des Bahnhofs King’s Cross und des benachbarten Stadtquartiers in London wurde im Jahr 2005 angekündigt und 2012 abgeschlossen. Das international renommierte Ingenieurbüro Arup, unter anderem bekannt durch den Bau der Oper im australischen Sydney und der Alianz-Arena in München, übernahm die Leitung des 400 Millionen Pfund schweren Bauprojektes.

Dabei sollte Arup auch das Gelände nördlich von King’s Cross als neues Stadtquartier entwickeln und war daher für 50 neue Gebäude, 2 000 neue Wohnungen, 20 neue Straßen und zehn neue öffentliche Plätze zuständig. Damit stand es vor der großen Herausforderung, dafür zu sorgen, dass alle Projektpartner die gleichen und aktuellsten Daten besitzen und visualisieren können.

„Was bei Produktdaten bereits standardisiert wurde, ist bei allen 3D-Daten noch nicht üblich und damit sehr aufwendig“, erklärt Kristian Sons, der am Lehrstuhl für Computergrafik an der Saar-Uni promoviert und auch am nur wenige Schritte entfernten Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) forscht. Manche Unternehmen würden per Hand Excel-Tabellen führen oder gar Sub-Unternehmen beauftragen, um mit Hilfe von Computerspiel-Technologie 3D-Szenen und Notizen miteinander zu verknüpfen.

Beim Ingenieurbüro Arup bestand eine weitere Herausforderung darin, das Vorhaben und dessen Fortschritte leichtverständlich für Geldgeber und Öffentlichkeit darzustellen. Die Zeichnungen ihrer Ingenieure verstanden nur Experten, die Bilder von Künstlern entfernten sich zu sehr von den technischen Vorgaben und öffentliche Ausstellungen waren aufwendig und teuer.

Die Saarbrücker Informatiker schufen daher zusammen mit Kollegen vom University College LondonXML3DRepo„. Es kombiniert zwei Forschungsprojekte: die Beschreibungssprache XML3D und 3DRepo, eine Datenbank für 3D-Modelle. Diese ermöglicht es 3D-Objekte zu speichern, zu verändern und diese Änderungen automatisch zu verwalten.

Die von Sons entwickelte Szenenbeschreibungssprache XML3D sorgt für die Darstellung im Browser: „Mit Hilfe von  XML3D lässt sich das ganze Modell von King’s Cross in den Browser laden und so auf jedem internetfähigen Gerät anzeigen“, ergänzt Philipp Slusallek, Professor für Computergraphik der Saar-Uni und wissenschaftlicher Direktor am DFKI und Intel Visual Computing Institute.

Möglich macht XML3D dies, indem es dem aktuellen Web-Standard HTML5 die nötigen Elemente hinzufügt, um in der Webseite neben
Texten, Bildern und Videos auch animierte und interaktive 3D-Objekte beschreiben zu können. „Alle 3D-Komponenten sind somit Teil des HTML-Codes, der die Webseite definiert. Dieser lässt sich von jedem Web-Entwickler auch leicht mit weiteren Notizen oder Planungsdetails ergänzen“, erklärt Slusallek.

Eine neue Software ermöglicht es, komplexe Konstruktionsmodelle wie das des Londoner Bahnhofes King's Cross im Webbrowser darzustellen und Änderungen daran zu verwalten / Foto: Kristian Sons/Saar-Uni

Eine neue Software ermöglicht es, komplexe Konstruktionsmodelle wie das des Londoner Bahnhofes King’s Cross im Webbrowser darzustellen und Änderungen daran zu verwalten / Foto: Kristian Sons/Saar-Uni

Arup konnte so nicht nur ohne großen Aufwand den Passagierfluss simulieren und das Aufhängen der Videokameras planen, sondern auch um die Gunst der Öffentlichkeit werben. Mit dieser Art von „Building Information Modeling“ (BIM, Gebäudedatenmodellierung) könne man die immer wichtiger werdende Information und Kommunikation zwischen Bauherr, Architekten und der Öffentlichkeit nicht nur ermöglichen, sondern auch kosteneffizient gestalten, schreibt die Forschungsabteilung von Arup auf ihrer Internetseite.

Auch Kristian Sons glaubt an das Potenzial von XML3DRepo. Mit seinem Forscher-Kollegen Jozef Dobos vom University College in London plant er die Software durch eine Ausgründung zu kommerzialisieren. Zeigen werden sie ihre Software-Lösung auf der CeBIT am Forschungsstand der Saar-Uni (Halle 9, E13). Dort werden sie am Stand die Mächtigkeit von von XML3DRepo demonstrieren, indem sie ein detailreiches dreidimensionales Modell der Stadt London im Browser darstellen. Das Londoner Unternehmen Vertex Modelling hat dieses Modell erstellt.