Bauplan von Facility Management-Leistungen der Zukunft

Zukunftsforscher von Beuth und Innotec prognostizieren weitreichende Veränderungen bei Services und Management von Facilities.

Wie sehen Servicemodelle im Facility Management der Zukunft aus? Dieser Frage ist ein Team des Kompetenzzentrums Bau, Immobilien und Facility Management von Prof. Kai Kummert an der Beuth Hochschule für Technik Berlin nachgegangen. Initiiert und gefördert wird die Grundlagenforschung von der Innotec Gruppe aus Kiel, die im Rahmen der Analysen für den nötigen Praxisbezug sorgt. „Wir sehen vor dem Hintergrund der Megatrends die Notwendigkeit grundlegender Veränderungen der Facility Services und des Managements“, so Geschäftsführer Walter Thomsen von der Innotec Gruppe. „Die Erfahrung und Methodik des Zukunfts- und Trendforschungsbereichs von Prof. Kummert bietet für unsere Neuausrichtung wichtige Erkenntnisse und dient der Entscheidungsvorbereitung“, so Thomsen weiter.

Im Rahmen der INServFM 2016 in Frankfurt am Main vom 23. – 25. Februar 2016 können sich Besucher über die Ergebnisse der Forschung informieren. RE Times stellt Ihnen bereits jetzt exklusiv erste Ergebnisse der Forschungskooperation vor.

Von den klassischen Gebäudedienstleistungen zum Facility Management 4.0

Die Zukunfts- und Trendforschungen am Kompetenzzentrum Bau, Immobilien und Facility Management basieren auf einer FM-DNS (Desoxyribonukleinsäure), die analog zur Natur einen Grundbaukasten jeder Facility Management-Leistung bereit hält. Jeder Facility Service – von der Instandsetzung einer technischen Anlage über die Reinigung bis zu einer komplexen Liegenschafts- und/oder Objektverantwortung – besteht aus unverwechselbaren Bausteinen, welche die Struktur dieser Leistung darstellen.

Bausteine der FM-DNS / Bildquelle: Kummert

Bausteine der FM-DNS / Bildquelle: Kummert

Die Bausteine, aus denen sich die DNS der FM-Dienstleistungen zusammensetzt, sind: Technik, Sicherheit, Boden (Liegenschaften, Immobilien), Werte, Kapital, Leistungstiefe, Arbeit und KQTOI (Kombination aus Kosten, Qualität, Terminen, Organisation und Information). Die Aufspaltung von FM-Dienstleistungen in deren DNS-Grundbestandteile zeigt, welche Veränderungen durch die Megatrends unserer Zeit auf die Struktur einwirken, und wie sich diese unter neuen Prämissen ändern. Damit können die Fragen der FM-Entscheider in Bezug auf alternative Leistungsbilder sowie Beschaffungswege und gegebenenfalls vorhandene Substitute zielgerichtet beantwortet werden.

Die Anwendung dieser Methodik ermöglicht Analysen zu folgenden Fragen:

  • Was sind die richtigen Servicemodelle im Facility Management und was ist die passende Strategie, um in den kommenden Jahren ein bislang noch ungenutztes Gewinnpotenzial ausschöpfen zu können?
  • Welche Bedeutung werden strategische Allianzen im Hinblick auf die Einsparung von Kosten und Ressourcen haben?
  • Wie wird der Bauplan von branchenspezifischen Leistungen im Facility Management 2.0 aussehen?

Die weitreichendsten Veränderungen der FM-Strukturen sind den aktuellen Forschungsergebnissen zufolge unter anderem durch die steigenden Anforderungen im Bereich Healthy Living zu erwarten.

Relevanz von Healthy Living und Hygiene im Gesundheitswesen im FM

Das gestiegene und weiter steigende Gesundheitsbewusstsein bewirkt einen Pull-Effekt auf den Märkten für Ernährung, Sport, Gesundheit und Hygiene. Die Ausgaben für Healthy Living und Gesundheitswesen sind in den letzten Jahren gestiegen, was auch zu einer entsprechenden Anpassung und dem Ausbau der Dienstleistungen in diesen Bereichen führen muss. So gibt es unter anderem konkreten Bedarf nach Hygiene in öffentlichen Räumen und eine höherwertige Dienstleistung – insbesondere in Arztpraxen und Krankenhäusern.

Die klassischen FM-Dienstleister beschäftigten sich bisher nur am Rande mit den Fragen, wie der Megatrend des Healthy Living die angebotenen Services evolutorisch verändern muss. Zumeist wird bei Dienstleistern eine Referenzausweisung von Services für die Ärzte- und Krankenhausbranche ausgewiesen, ohne jedoch näher auf die Spezifika der Leistungen in diesem speziellen Immobilienbereich von Ärzte- und Krankenhäusern einzugehen. Andererseits hat sich ein eigenes Hygienesystem und -instrumentarium in den Ärzte- und Krankenhäusern entwickelt.

Die Analyse des Marktes für Hygiene im Gesundheitswesen hat verdeutlicht, dass der evolutorische Rahmen für die verschiedenen Servicearten und -formen zu einer sehr unterschiedlichen Übereinstimmung des jeweiligen Hygiene-Modells mit den Möglichkeiten und Angeboten der Facility Management-Anbieter führt. So werden immer noch klassische Reinigungsleistungen im Hygienebereich des Gesundheitswesens vereinbart, obwohl diese Services nicht die gewünschten Hygienezustände gewährleisten können. Innovative Services werden oft ex ante wegen komplexer Ausgangsprofile und der innovationsbedingten finanziellen und zeitlichen Mehraufwände nicht geplant und realisiert.

Der konkrete Bedarf nach reinem (Trink-)Wasser – in Teilbereichen gesetzlich manifestiert – wurde von der Innotec Gruppe aufgenommen. Im Rahmen eines Ideen-Inkubator-Prozesses wurde ein prozess- und technologieorientiertes Servicemodell angeboten, das z.B. die Legionellenprüfung standardisiert anbietet. Dieses innovative und modular erweiterbare Servicemodell kann auf weitere Parameter der Wasserqualität erweitert werden. Diese Innovation stellt sich bereits als so erfolgreich heraus, dass die strukturbestimmenden Merkmale und das Prozess-Knowhow in Folgeinnovationen eingebracht werden kann. Eine Adaption auf Hygieneprozesse im Gesundheitswesen ist deshalb sehr realistisch, weil abbildungsgenaue Imitationen der Prozessinnovationen möglich erscheinen.

Individualisierung

Die Individualisierung wirkt sich in der Wirtschaft sowohl auf den B2C-Bereich, als auch auf den B2B-Bereich aus.

Das zunehmende Streben der Menschen nach Einzigartigkeit und Differenzierung verändert Kundenprofile im B2C. Beispielsweise werden Wohnort, Lebensstil und Berufswahl gegenwärtig weitestgehend ohne Einfluss von Politik, Religion oder Familie selbstverständlich und eigenverantwortlich bestimmt. Der im Industriezeitalter geprägte standardisierte Lebenslauf verliert zunehmend an Relevanz, Biografien werden flexibler und die Menschen orientieren sich häufiger neu. Diese Veränderungen führen im B2C-Bereich zu einer selbstbewussten Kundenschicht mit spezifischen Anforderungen an Wohnraum und Gebäude.

Der für Facility Management-Dienstleister interessante Markt wird durch den B2B-Bereich gebildet. Die Bewirtschaftung von Liegenschaften wurde von kleinen und mittelständischen Unternehmen bisher überwiegend als Gemeinkosten betrachtet, bedarfsgerecht eingekauft und nicht genauer analysiert. Standardisierte, regelmäßig wiederkehrende Facility Services wurden nicht beschafft. Das Fehlen verursachungsgerechter Facility Services-Kosten verhinderte bisher das Outsourcing von Standardleistungen an die klassischen Anbieter. Aktuell entwickelt sich bei den KMUs der Wunsch, Dienstleistungen mit ökonomischer Hebelwirkung aus dem Bereich Gebäudemanagement auszulagern. Erfolgreiches Outsourcing bei KMUs verlangt jedoch individualisierte, unternehmensspezifische Services. Dienstleister, die bereit sind, ihr Facility Service-Erbgut im Sinne der Anforderungen der Auftraggeber zu verändern, werden sich als wirtschaftliche Partner erweisen.

Um die konkreten Bedürfnisse der KMUs zu treffen, muss allerdings ein Vorab-Check des jeweiligen Unternehmens durch den Dienstleister erfolgen. Nur so können Kunde und Dienstleister herausfinden, in welchen Bereichen Einsparpotenziale zu erwirtschaften sind und sich auf ein individualisiertes Dienstleistungsangebot einigen.

Folglich geht der Trend weg von standardisierten Services, in Richtung eines hybridisierten Angebots aus Unternehmensanalyse und spezifiziertem Dienstleistungsangebot. Die Innotec Gruppe hat diesen Trend erkannt und entwickelt mit der Beuth Hochschule flexible und individualisierbare Servicemodelle, um in den kommenden Jahren ein bislang noch ungenutztes Gewinnpotenzial ausschöpfen zu können

Qualtitätsbewusstsein

In der betrieblichen Dienstleistungserstellung wird der Qualität eine herausragende Bedeutung zugemessen, da sie in direktem Zusammenhang zu langfristigem Wirtschaftserfolg steht. Qualität ist folglich ein strategischer Erfolgsfaktor.

Um sich der kontinuierlich positiven Eigenschaften einer Dienstleistung sicher zu sein, werden die Dienstleister regelmäßig Qualitätskontrollen unterzogen. Da die Auftraggeber von Facility Management-Dienstleistungen zunehmend unzufrieden mit den ausgeführten Services sind, geben sie das Qualitätsmanagement häufig an externe Unternehmen weiter.

Da die externe Qualitätskontrolle von Dienstleistungen für den FM-Dienstleister einen zusätzlichen Aufwand darstellt, muss die Qualität der angebotenen Dienstleistungen und das Bewusstsein dieser Qualität innerhalb des FM-Unternehmens durch operationale Exzellenz-Maßnahmen gewährleistet werden. So können im Rahmen des Optimierungsprogrammes alle Prozesse auf Kundenbedürfnisse, Qualität und Effizienz ausgerichtet werden, wodurch ein externes Qualitätsmanagement hinfällig wird. Die Innotec Gruppe ist auch in diesem Bereich bestrebt, die Rolle eines Qualitätsführers im FM zu sein.

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