„Der Garten ist ein Lebensbereich“

Welchen Wert hat ein Garten für eine Immobilie? Und wie bemisst man ihn? Diese Fragen stellte der Bundesverband Garten-, Landschaft- und Sportplatzbau ins Zentrum einer Veranstaltung. Die Ausführungen einer Immobilienfachwirtin haben retimes.de besonders gefallen. Denn Claudia Brakonier vom Maklerunternehmen von Poll Immobilien redete Klartext. Nicht überraschend, dass die Mutter zweier kleiner Kinder schöne Gärten persönlich schätzt; die Geschäftsstellenleiterin Düsseldorf weiß zudem, wie positiv es für den Verkaufspreis ist „Betonwüsten aufzuhübschen“. Elke Tonscheidt hat ihr nach dem Event einige Fragen gestellt.

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Claudia Brakonier / Bild: NED.WORK

Elke Tonscheidt: Frau Brakonier, der Wert eines Gartens für den Wert einer Immobilie soll in letzter Zeit rapide gestiegen sein. Warum ist das so?
Claudia Brakonier: Der Garten ist in den Focus der Interessenten gerutscht – er ist mittlerweile als „Wohlfühlfaktor“ erkannt und gesucht.

Tonscheidt: Lage, Lage, Lage – jeder Immobilienmakler kennt diese drei heiligen Worte. Ist der Garten mittlerweile ähnlich wichtig?
Brakonier: Das kommt auf die Zielgruppe an. Singles wollen häufig keinen Garten, während er ein „Must have“ für Familien ist.

Tonscheidt: Wann und warum haben Sie den 1. Landschaftsarchitekten beauftragt?
Brakonier: Zum ersten Mal im Jahr 2008. Da musste und wollte ich mein heutiges Haus kernsanieren. Dazu gehörte, das Grundstück auf links zu drehen, sprich: Der heutige Garten musste entsprechend der Gegebenheiten neu angelegt werden. Es ging um die gesamte Gestaltung und um Fragen wie  ‚Welche Bäume, welche Hecken, welche Blühpflanzen, wo Terrassenplätze?‘ und vieles mehr. Ich hatte einige eigene Vorstellungen. Im Gespräch mit dem Fachmann, der noch viel weitreichendere Ideen hatte, entwickelten wir diese weiter und was soll ich sagen: Ich war schlicht begeistert. Das hält bis heute an.

Tonscheidt: Beim „Aufhübschen“ des Gartens, sagen Sie, könne man „mit geringem Aufwand größten Erfolg erzielen“. Haben Sie ein gutes Beispiel dafür?
Brakonier: Ein sehr gravierendes Erlebnis hatten wir mit einem Eigentümer, der partout keinen einzigen Euro mehr in seine Immobilie investieren wollte. Natürlich forderte er gleichzeitig den höchsten Preis. Das Haus an sich war schon renovierungsbedürftig, aber ok. Doch dann der Garten! Einfach ein Albtraum.

Tonscheidt: Was war so schlimm?
Brakonier: Wenn es nur ein ‚naturgetreuer Wildgarten’ gewesen wäre … Nein, bei jeder Besichtigung kamen die gleichen Argumente: „Oh je, in dieses Grundstück müssen wir ja noch viele tausend Euro investieren.“ Das führte natürlich zu erheblichen Differenzen in der Kaufpreisfindung.

Tonscheidt: Was haben Sie gemacht? Nie einen Käufer gefunden?
Brakonier: Manchmal hilft die Zeit. Denn nach einigen Monaten und vergeblichen Kaufangeboten war der Eigentümer dann doch bereit, für die Erzielung seines Wunschpreises ein paar Euro in die Hand zu nehmen. Und, nun ja, aus investierten rund 5000 Euro wurde ein Mehrerlös von rund 10.000 Euro. Hätte der Verkäufer dies sofort umgesetzt, hätte man natürlich einen noch höheren Erlös gehabt.

Tonscheidt: Es lohnt sich also sehr, in Gärten zu investieren?
Brakonier: Durchaus! Neulich musste ich eine wirklich schöne Etagenwohnung – in einem grausigen Haus – verkaufen. Sehr ansprechend waren jedoch die durch den Haus- und Hofgärtner wunderbar gepflegten und toll begrünten, blühenden Außenanlagen. Alle Interessenten nahmen genau die sofort positiv auf.

Tonscheidt: Der Garten konnte das anfängliche Entsetzen auffangen?
Brakonier: Wir mussten bei Besichtigungsterminen immer bis in den 10. Stock. Ich hatte das Gefühl, der Anblick des schönen Gartens konnte zumindest helfen bis dorthin durchzuhalten. Dann die Wohnung: schöner Grundriss, großzügig und aufgrund der Höhe fantastisch lichtdurchflutet. Von einer Seite blickte man über Felder und Bäume mit schöner Weitsicht. Doch ausgerechnet vom Wohnzimmer aus blickte man nur zu einem Teil auf eben dies – und der andere Teil öffnete den Blick auf das Dach eines sehr präsenten Fabrikgebäudes.

Tonscheidt: Ist so etwas „aufzuhübschen“?
Brakonier: Ja. Nach der x-ten Besichtigung schlugen wir dem Eigentümer die Begrünung und Gestaltung des Balkons vor, um so ein bisschen von der „Betonwüste“ abzulenken. Und siehe da, nach Anreicherung eines Holzbodens, der kompletten Geländergestaltung mit unterschiedlichen Kübeln und hängenden Pflanzen sah es so freundlich und fröhlich aus, dass die Wohnung unmittelbar verkauft wurde. Die Kosten lagen bei unter 3000 Euro, und wir mussten nur wenig mit dem Kaufpreis verhandeln. Die zuvor eingereichten Angebote unterschieden sich bis zu 18.000 Euro von unserem aufgerufenen Kaufpreis.

Tonscheidt: Was geht gut am Markt, was nicht?
Brakonier: Extrem „durchgestylte Gärten“ sind durchaus nicht problemlos, wenn man eine Immobilie verkaufen will. Denn nicht jeder möchte solche Grünanlagen, die häufig so puristisch und teilweise künstlich wirken. Der Garten ist ein Lebensbereich, wo sich die Menschen frei fühlen möchten, dazu gehört eben auch ein bisschen „Freiwuchs“.

Tonscheidt: Ist heute immer noch richtig, dass sich potentielle Käufer lieber um ein neues Bad kümmern wollen als um das Anlegen eines neuen Gartens?
Brakonier: Ja, diese Erfahrung machen wir immer häufiger. Denn ein Badzimmer mit rund 10 Quadratmetern Größe ist leichter zu planen und umzusetzen. Dies sieht bei einem Garten von vielen Quadratmetern anders aus. Weiterhin fehlt häufig die Phantasie, was möglich ist. Ich verstehe das – auch für mich war es leichter mein Badezimmer zu planen als meinen Garten.

Tonscheidt: Frau Brakonier, vielen Dank für das Gespräch!

Zu Claudia Brakonier:
Die ausgebildete Immobilienfachfrau Claudia Brakonier war
 Immobilienmaklerin bei BNP Paribas (vormals Atis Real) in Frankfurt am Main und gründete danach in ihrer Geburtsstadt Mettmann das Unternehmen CMB Immobilien (2004 bis 2010.)
 Für Von Poll Immobilien baute die Immobilienfachwirtin 2007 die Geschäftsstelle Düsseldorf auf, wo sie bis heute tätig ist. Die Mutter zweier Kinder ist auch als geprüfte freie Sachverständige für bebaute und unbebaute Grundstücke tätig und ist Mutter zweier Mädchen im Alter von fünf und zehn Jahren.

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1 Response

  1. Frick-Immobilien 7. Mai 2015 / 11:45

    Über die Rolle eines Garten beim Immobilienkauf hab ich noch nie so genau nachgedacht gehabt. Der Text stellt die Thematik sehr klar und leserlich da. Das lesen hat mir große Freude gemacht. Vielen Dank dafür und gerne mehr. Das Thema Immobilien finde ich hochinteressant!

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