Vortragsreihe „Qualitätssicherung von Software“

Die Anwendung von umfangreichen Statik-Paketen ist heute Alltag in jedem Ingenieurbüro. Der Trend zu räumlichen Modellen und nicht-linearen Berechnungen wird im Zeitalter von Building Information Modeling noch weiter verstärkt.

Damit ist allerdings auch eine größere Abhängigkeit von der Software verbunden. Außerdem stellt sich die Frage: Wie zuverlässig erfüllt die Software die am sie gestellten Anforderungen?

Vorraussetzungen für die Zuverlässigkeit sind festgelegte Strategien zum Test von Software vor jedem Release. Seit fast zwei Jahren entsteht daher in Deutschland die VDI Richtlinie 6201 zum Thema softwaregestützte Tragwerksberechnungen.

Darin werden unter anderem auch konkrete Anforderungen an die Softwarehersteller formuliert. So soll einerseits eine möglichst fehlerfreie Auslieferung der Software gewährleistet werden. Andererseits werden aber auch unterstützende Maßnahmen für den Anwender eingefordert, wie zum Beispiel das Angebot von Support und Schulungen.

Dr. Holger Heidkamp von der SOFiSTiK AG erläuterte in seinem Vortrag „Fehlerfreie Software – Quadratur des Kreises? Qualitätssicherung in Softwarehäusern“ auf der 12. Fachtagung Baustatik-Baupraxis im Februar an der Technischen Universität München die einzelnen Maßnahmen und Strategien zur Qualitätssicherung heutiger Softwareentwicklung im Bereich Baustatik. Entstanden war sein Vortrag in Abstimmung mit den Softwarehäusern Dlubal und RIB. Als wichtige Eckpunkte nannte er eine sorgfältige Produktplanung, die Festlegung von Releasezyklen sowie automatisierte und funktionale Tests.

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Dr. Holger Heidkamp

Innovation und Fehlerfreiheit stehen dabei in einer engen Wechselwirkung. Denn größere Innnovation mit vielen Neuerungen in der Software in kurzer Zeit immer bedeuten meist auch eine größere Anzahl von Fehlerquellen. Heidkamp legte jedoch auch dar, dass eine vollkommene Fehlerfreiheit von vielseitig einsetzbaren FEM-Paketen (Finite-Elemente-Methode) praktisch nicht erreichbar sei. Daher seien auch Zertifizierungen kein geeignetes Instrument. Auch sie könnten keine Garantie für die Richtigkeit von Berechnungsergebnissen in jeder Situation abgeben.

Die VDI Richtlinie 6201 legt daher den Fokus auf das öffentliche Bekenntnis der Softwarehäuser, die in ihr geforderten Maßnahmen umzusetzen. Für den Anwender bedeutet dies, dass er Informationen über die Grundlagen der Software erhält, dass die Richtigkeit der Berechnungsergebnisse über Evaluierungsbeispiele geprüft werden kann und dass due Hersteller Support- und Schulungsangebote zur Verfügung stellen müssen.  Mit dem Erscheinen der Richtlinie wird noch in 2014 gerechnet.

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