„Investieren, wo es Nutzen stiftet“

Es gibt viele Ideen und Themen rund um die Welt des vereinfachten Reisens. Dazu gehören auch die Hotels von heute und morgen. New Generation Hotels – schon mal gehört? Sie sprechen eine neue Generation an und sind auch anders als die anderen. Sie zielen auf den vielgereisten Hotelgast von morgen, der auf mobilen Webseiten bucht, per Smartphone eincheckt und im Hotelshop oder an Vending-Automaten (Anm. d. Red.: Selbstbedienungsautomaten) Snacks und Getränke zum Abendessen bestellt.
Als New Yorks größtes Hotel, das 2 000 Zimmer zählende Hilton, den Zimmerservice einstellte, wurde dies reichlich und kontrovers diskutiert. Ist aber nur konsequent, sagen Branchenkenner. Elke Tonscheidt wollte von Martin Reents wissen, welche Trends es gibt und was sich schon durchgesetzt hat. Reents ist Geschäftsführer der Hetras GmbH in Zell am See, Österreich. Das Unternehmen bietet Hotels Lösungen rund um die Hotelservices und -prozesse an. Außerdem ist es Technologiepartner des „FutureHotel„-Projekts des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart.

Martin Reents, Geschäftsführer der Hetras GmbH / Bild: Hetras

Martin Reents, Geschäftsführer der Hetras GmbH / Bild: Hetras

ELKE TONSCHEIDT Was sind New Generation Hotels – Billig-Hotels, in die man nur rein hoppt und kein Ambiente braucht?
MARTIN REENTS Im Gegenteil: New Generation Hotels schaffen Reiseerlebnisse, wie sie der moderne Reisende wünscht. Mit authentischen Hotelmitarbeitern, die Spaß am Job haben und uns das spüren lassen. Vor 200 Jahren legte vielleicht einmal der Adel fest, was hochwertiges Reisen ist. Da mag ein Concierge den heimischen Torwächter ersetzt haben. Und ein Etagenkellner gab den Butler. Aber auf uns moderne Menschen wirkt das doch arg gekünstelt. Wer braucht heute noch einen Diener? Die traditionelle Sterne-Hotellerie eifert einem veralteten Ideal nach.

TONSCHEIDT Es heißt, dieser neue Hoteltyp investiert weniger pro Zimmer, kommt mit weniger Personal aus als vergleichbare Hotels und erzielt trotzdem höhere Umsätze pro verfügbarem Zimmer. Zauberei?
REENTS Die New Generation Hotels investieren da, wo es Nutzen stiftet: Bei der Ausstattung und Technologie. So gibt es zum Beispiel High-Speed WLAN für umsonst statt einer schlechten Internetverbindung, die auch noch 15 Euro am Tag kostet. Die Zimmer sind oft kleiner, dafür aber wesentlich praktischer als in klassischen Hotels. Außerdem ist die Ausstattung perfekt durchdacht und designt. Ein Schloss im „Gelsenkirchener Barock-Stil“ nachzubauen, macht heute eben keinen Sinn mehr.

TONSCHEIDT Das hört sich ein bisschen nach Revolution an – gibt es Flagschiffe, die schon heute beweisen, dass das auch funktioniert? Wenn ja, wie sehen die zu erwartenden Wachstumsraten aus?
REENTS Zu den Vorreitern gehörte sicher citizenM. Die betreiben inzwischen fünf Hotels und haben jede Menge weitere Projekte in Vorbereitung. In Europa gibt es mittlerweile gut 20 Hotelketten und einige Individualhotels, die die New Generation-Philosophie umsetzen. Jedes Jahr kommen acht bis zehn neue Ketten hinzu. Ihre Anzahl steigt schnell. Auch die großen traditionellen Hotelketten springen schon auf den Zug auf.

TONSCHEIDT Habe ich das richtig verstanden: Es geht besonders darum, Bestandsbauten in guten Innenstadtlagen aufzuwerten und besser zu nutzen? Ist das nachhaltiger als auf der grünen Wiese neu zu bauen?
REENTS Ja, das ist ein nützlicher Nebeneffekt: New Generation-Hoteliers können aus Altbauten ein neues Hotelerlebnis zaubern. Die Münchener Ruby Hotels sind ein gutes Beispiel: Die neue Hotelmarke wandelt ehemalige Bürogebäude in außergewöhnliche Hotels um. Das freut nicht nur die Stadtplaner, sondern auch die Besitzer alter Bürogebäude in Innenstadtlage. Mit einem neuen Qualitätsanspruch übrigens: „Lean luxury“ – der positioniert Ruby im oberen Segment.

TONSCHEIDT Wie viel ist denn lean, und wie viel luxury?
REENTS Das ist eben das typische Vorurteil: Manche Leute denken, es handelt sich bei New Generation um Budget oder billige Hotels. Das ist nicht so, ganz im Gegenteil: New Generation Hotels liefern außergewöhnliche Qualität und Services, aber eben mit einem klaren Fokus auf die Dinge, die der moderne Gast erleben möchte, wenn er reist.

TONSCHEIDT Wie sind diese neuen Hotels klassischerweise finanziert, welcher Investorentyp sucht genau dieses Segment und was versprechen sie sich davon?
REENTS Die Hotels werfen 15 bis 30 Prozent EBITDAR ab: Die New Generation Hotels sind für Investoren genauso attraktiv wie für die Gäste. Die Finanzierungskonzepte sind unterschiedlich. Einige Ketten mieten, andere kaufen die Immobilien, manche machen beides. Insofern muss man unterscheiden, ob ein Investor oder Betreiber die Immobilie finanziert. Oft sind es übrigens wohlhabende Privatpersonen, die sich mit Eigenkapital beteiligen.

TONSCHEIDT Nun sind Sie ja weder Investor noch Hotelmanager, aber über Ihre Kunden erfahren Sie viel. Ihr Partner Ulrich Pillau in der Geschäftsführung ist ein vielgefragter Branchenexperte. Welche relevanten Kompetenzen und Erfahrungen bringen die neuen Hotelmacher mit?
REENTS Natürlich viel Hotelerfahrung, aber immer auch Expertise aus fremden Branchen. Da sind zum Beispiel Investment Banker oder Lean Thinking-Experten dabei. Der frische Wind ist wichtig, um alte Weisheiten in Frage zu stellen. Ein neues Konzept mit einer alten Mannschaft umzusetzen, ist fast unmöglich. Es käme immer wieder das Gleiche dabei heraus. Scandic hat deshalb für sein New Generation-Konzept die neue Marke „HTL“ kreiert. Das Team bekommt jede Unterstützung, die es braucht, arbeitet aber ansonsten als Start-Up vollkommen getrennt von der Traditionsmarke. Hilton und Mariott wollen es ähnlich machen.

TONSCHEIDT Herr Reents, vielen Dank für das Gespräch!

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